Licht am Anfang des Himmels

Glaubenssache

Blühende Zaubernuss Foto: Birgit Hornig
Blühende Zaubernuss Foto: Birgit Hornig
Diakonin Birgit Hornig. Foto: Wolfgang Hornig
Diakonin Birgit Hornig. Foto: Wolfgang Hornig

Ist dieser Winter wirklich so lang? Oder kommt es mir nur so vor? Tulpensträuße im Supermarkt verheißen mir schon seit Anfang Januar einen Hauch von Frühling. Mir kommt es vor wie Lebkuchen im August – das mit dem Frühjahr dauert noch.

„In der Mitte der Nacht liegt der Anfang eines neuen Tags, und in ihrer dunklen Erde blüht die Hoffnung ...“ heißt es in einem bekannten Kirchenlied. So ist es doch, dass im Winter die Natur versunken ist, ruht, sich in Geduld übt.

Geduld fällt mir von Haus aus schwer. Im Advent haben wir die Lichter und die Vorfreude auf das Weihnachtsfest. Auch der Jahreswechsel – so anders er gerade auch stattgefunden hat – ist ein Silberstreifen am Horizont.

Nun zieht sich die kalte Jahreszeit wie Kaugummi, und der Geschmack wird bei längerem Genuss nicht besser. „Ich will Licht sehn in der Dunkelheit ...“ heißt es in der ersten Strophe. Mein wehmütiger Blick in den Garten bleibt an der Zaubernuss hängen. Mit ihren zarten gelben Blüten ist sie ein wahrer Lichtblick im Wintergrau – wie ein leises Flüstern Gottes, dass es bald heller und wärmer wird.

„Ich will Licht sein, wenn die Nacht dich schreckt …“ Die zweite Strophe ist es, die mich aufschrecken lässt. Wehmütig hin oder her – ich lebe nicht allein auf dieser Welt. Was könnte ich für meine Mitmenschen tun? Die Allerliebsten um mich herum wie auch die ferneren, denen ein Körnchen Freude ebenfalls gut täte? Ich sinniere, denke an einzelne, und kleine Ideen kommen mir in den Sinn: Eine Postkarte, ein Anruf, ein kleines Tütchen an die Türklinke … Ich merke, wie diese konkreten Vorhaben mich auch selber froh stimmen.

Der Wechsel der Blickrichtung ist es, der mich letztlich Kraft schöpfen lässt. Und das Vertrauen darauf, dass in Gottes Schöpfung das Leben seinen Weg findet. Die eigenen Befindlichkeiten kommen zur Ruhe, und die Lebensgeister erwachen: Neugier, Empathie, Schaffenskraft.  „In der Mitte der Nacht liegt der Anfang eines neuen Tags und in ihrer dunklen Erde blüht die Hoffnung …“ Hoffnung ist eines der sehr seltenen Gewächse, die selbst im Finstern Blüten treiben können. Davon wünsche ich Ihnen allen einen großen Strauß.

Birgit Hornig
Diakonin der Ev.-luth. Kirchengemeinde, Ilten – Höver – Bilm

„Glaubenssache - Beiträge und Texte aus Kirche und Religion“ erscheint als Kolumne jeweils sonnabends im Marktspiegel für Burgdorf und Uetze, sowie im Marktspiegel für Lehrte und Sehnde. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den Kirchen schreiben Beiträge aus ihren Kirchengemeinden, Einrichtungen und Arbeitsfeldern, von ihren Erfahrungen und zu dem, was sie gerade beschäftigt.

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