Lichtfenster

Glaubenssache

Pastor Dirk Jonas, Ev.-luth. St.-Pankratius-Kirchengemeinde, Burgdorf. Foto: Annette Lührs
Pastor Dirk Jonas, Ev.-luth. St.-Pankratius-Kirchengemeinde, Burgdorf. Foto: Annette Lührs

Bis Montag waren seit Pandemiebeginn laut Robert Koch-Institut bundesweit 52.087 Menschen gestorben, die an Covid-19 erkrankt waren. Zwei von ihnen habe ich in der zurückliegenden Woche beerdigen müssen. 52.087 am Montag. Wie viele werden es heute, nur ein paar Tage später sein? Wie viele Ende Februar, Ende März, ...? Ja, mich erschüttern diese Zahlen.

Seit Freitag vor einer Woche stand nicht nur im Schloss Bellevue in Berlin täglich bei Dunkelheit eine Kerze im Fenster. Auch in meinem Küchenfenster in Burgdorf. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hatte zu dieser Aktion aufgerufen und ermutigt, ein Licht ins Fenster zu stellen oder auch ein Bild davon mit Hashtag #lichtfenster in den sozialen Medien zu teilen.

Gut so! Neben der individuellen Trauer und dem Gedenken unmittelbar betroffener Mitmenschen braucht eine Gesellschaft gemeinschaftliche Formen des Gedenkens und Trauerns zur Verarbeitung einer Krise. Als Zeichen der Anteilnahme und Solidarität mit Angehörigen und Freunden einerseits. Und andererseits stärkt der gemeinschaftliche Ausdruck von Trauer, in Gottesdiensten und darüber hinaus, den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

In seinem Aufruf sagte Bundespräsident Steinmeier: „Für zu viele Menschen in unserem Land sind diese Corona-Wochen schrecklich dunkle Wochen. Viel zu viele müssen um Angehörige trauern. Viel zu viele kämpfen auf den Intensivstationen und in den Pflegeheimen um ihr Überleben. Viel zu viele müssen um geliebte Menschen bangen. Diese Dunkelheit ist nicht abstrakt, nicht irgendwo weit entfernt. Sie trifft unsere Verwandten und Freunde, unsere Kollegen und Nachbarn, unsere Mitbürgerinnen und Mitbürger – jeden Tag.

Wir stellen ein Licht ins Fenster, weil wir wissen: Überall in unserem Land leiden Menschen. Wir trauern mit den Angehörigen. Wir wünschen den Kranken schnelle Genesung. Mit unseren 'Lichtfenstern' rufen wir einander zu: Die Toten der Corona-Pandemie sind für uns keine bloße Statistik. Auch wenn wir ihre Namen, ihre Familien nicht kennen – wir wissen: Jede Zahl steht für einen geliebten Menschen, der uns unendlich fehlt.“

Die Aktion #lichtfenster endet nicht an diesem Wochenende. Nach Ostern richtet der Bundespräsident eine zentrale staatliche Gedenkfeier für die Toten der Corona-Pandemie in Deutschland aus. Bis dahin steht zukünftig immer freitags bei Einbruch der Dunkelheit auf samstags eine brennende Kerze in einem Fenster im Schloss Bellevue in Berlin. In meinem Küchenfenster auch. Übrigens: Wenn ich schlafen gehe, tausche ich die brennende Wachskerze gegen eine batteriebetriebene Kerze. Sicher ist sicher. Stellen Sie auch ein Licht ins Fenster?

Dirk Jonas
Pastor der Ev.-luth. St.-Pankratius-Kirchengemeinde Burgdorf

„Glaubenssache - Beiträge und Texte aus Kirche und Religion“

Die Kolumne erscheint jeweils sonnabends im Marktspiegel für Burgdorf und Uetze, sowie im Marktspiegel für Lehrte und Sehnde. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den Kirchen  schreiben Beiträge aus ihren Kirchengemeinden, Einrichtungen und Arbeitsfeldern, von ihren Erfahrungen und zu dem, was sie gerade beschäftigt.

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